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Energie

AgNes bittet zur Kasse

von Harald Friedrich

6.8.2026

Alternative Energien fördern: Das ist vernünftig und wurde auch belohnt. Doch die Zukunft lässt Wolken über PV-Anlagen aufziehen. AGNES, die Allgemeine Netzentgeltesystematik Strom, hält schon mal die Hand auf.

Wer in eine PV-Anlage auf dem Dach investiert hat, wurde belohnt. Mit Förderungen, mit einer Einspeisevergütung und mit dem guten Gewissen, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Die Bundesnetzagentur will künftig die Kassenschublade öffnen – allerdings zum Kassieren.

Genau die Haushalte, die in die dezentrale Energiegewinnung investiert haben, sollen zu Kasse gebeten werden.

Mit einer Reform der Stromnetzgebühren werden „Prosumer“ zum Zahltag zitiert – also Haushalte, die sowohl Strom produzieren als auch Strom aus dem Netz in sonnenarmen Zeiten konsumieren.

Das würde für viele Besitzer von PV-Anlagen ab 2029 einen höheren Grundpreis im Stromnetz bedeuten. Zwar sind vorerst nur 100 € pro Jahr an Gebühren angedacht. Doch es ist nicht zu Ende gedacht.

Der Hintergrund: In das bestehende Stromnetz, das nie für eine dezentrale Stromerzeugung konzipiert war, müssen immer mehr Windräder und Solaranlagen integriert werden. Dazu steigt der Strombedarf durch Wärmepumpen und Elektromobilität. Betrieb, Wartung, Instandhaltung und Ausbau der Netze verschlingen jährlich fast 37 Milliarden €.

Die Zeche zahlen diejenigen, die den Strom verbrauchen. Rund ein Drittel der Stromkosten sind Netzentgelte.

In Zukunft sollen auch die einst geförderten und gefeierten dezentralen Erzeuger an „AgNes“ (Allgemeine Netzentgeltesystematik Strom) zahlen.

Die Argumentation der Bundesnetzagentur: Wer eine Solaranlage mit Batteriespeicher besitzt, könnte das Stromnetz als Absicherung nutzen.

Deshalb werden höhere Grundpreise für Haushalte mit eigener Stromerzeugung geplant.

Das bringt die Energiewende in Gefahr. Viele Bauherren kalkulieren scharf, ob sich eine Solaranlage wirtschaftlich lohnt. Bei zusätzlich höheren Netzgebühren und angedachten Senkungen der Förderungen fällt ihnen die Entscheidung leichter: Der Verzicht auf Strom vom eigenen Dach.

Irgendwie werden da Erinnerungen wach: 1985 wurden Diesel-Fahrzeuge in Deutschland steuerlich gefördert. Der Literpreis für Diesel an der Tankstelle war deutlich niedriger als der Benzinpreis. Zudem wurden Diesel-PKW sogar von der Kraftfahrzeugsteuer befreit, weil sie als besonders umweltfreundlich galten.

Kaum stiegen immer mehr Autokäufer auf den Diesel um, und der Marktanteil der Selbstzünder schnellte in die Höhe, war der hochgefeierte Motor von Rudolf Diesel plötzlich umweltfeindlich und wurde mit höheren Kfz-Steuern und später sogar mit Fahrverboten bestimmter EU-Schadstoffklassen in vielen Städten verteufelt.

Zurück zum Strom: Für die geplante Reform liegt auch noch ein weiterer Plan in der Schublade: die dynamischen Netzentgelte. Je nach Tageszeit, Wetterlage und Auslastung könnten so die Netzentgelte variieren. Belohnt wird dann, wer Strom verbraucht, wenn viel Wind- oder Solarenergie erzeugt wird.

Damit sollen Verbraucher motiviert werden, z. B. ihre E-Autos gezielt mittags bei viel Sonnenstrom zu laden. Doch da steht das Auto meist am Arbeitsplatz und nicht vor dem eigenen Haus mit PV-Anlage. Wird das E-Auto nach Feierabend zuhause geparkt und über Nacht geladen, wird es teurer.

Belohnt wird also, wer in Zeiten mit hoher Stromerzeugung möglichst viel Energie verbraucht. Das ist das Gegenteil vom Stromsparen, wie es bisher propagiert wurde.

Und siehe da: Der Kreis schließt sich – zum Gebäudemodernisierungsgesetz, nach dem die Bewertung für Strom gesenkt werden soll in der Energiebilanz.

Es wird in der Branche gespannt beobachtet, wie sich der PV-Markt angesichts dieser Pläne entwickelt. Die Goldgräber- Stimmung bei den Solarteuren dürfte auf jeden Fall einen Dämpfer bekommen.