Bereit für neue Wege
von Christian Schneider und Harald Friedrich
27.5.2026

Der erste Lehrgang „Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten“ am Kompetenzzentrum Dachtechnik Waldkirchen wurde erfolgreich durchgeführt. Ein Erfahrungsbericht von Christian Schneider.
Der Fachkräftemangel ist Realität. Es ist oft schwierig bis nahezu unmöglich, Elektriker für kleinere Arbeiten auf der Baustelle kurzfristig zu bekommen. Die Folgen sind Verzögerungen, Stillstände und zusätzliche Kosten.
Vor diesem Hintergrund hat der LIV Bayern einen wichtigen und mutigen Schritt gewagt: die Durchführung eines Lehrgangs, der es Dachdeckern ermöglicht, klar definierte elektrotechnische Tätigkeiten selbst auszuführen.
Ein zentraler Bestandteil dieses Lehrgangs ist die Qualifikation zur Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten (EFKffT) nach DGUV Vorschrift 3. Diese Qualifikation schafft für Dachdecker Rechtssicherheit und regelt eindeutig, welche elektrotechnischen Arbeiten im Rahmen der eigenen Tätigkeit zulässig sind. Darüber hinaus befähigt sie zur eigenständigen Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel im Betrieb. Prüfungen können damit zeitnah durchgeführt werden, ohne auf externe Fachkräfte angewiesen zu sein. Das spart Zeit und Kosten und erhöht gleichzeitig die Sicherheit durch Eigenverantwortung im Betrieb.
Der zweiwöchige Lehrgang wurde erstmals am Kompetenzzentrum Dachtechnik Waldkirchen e. V. durchgeführt. Für den Kurs Ende Januar/Anfang Februar 2026 meldeten sich 14 Teilnehmer an.
Nach anfänglicher Euphorie folgte schnell die Erkenntnis: Elektrotechnik ist komplexer als im Baustellenalltag oft vermutet. Die ersten beiden Kurstage waren geprägt von Theorie: Elektrotechnik, Physik, Grundlagen des elektrischen Stroms. Formeln, Zusammenhänge und Sicherheitsaspekte machten deutlich, dass „Stecker rein und Strom kommt raus“ zu kurz gedacht ist. Mit dem anschließenden praktischen Teil stellte sich bei vielen Teilnehmern das sprichwörtliche „Aha-Erlebnis“ ein: Theorie und Praxis begannen, sich zu ergänzen.
Im Praxisteil wurden Schaltpläne bearbeitet und einfache Elektroinstallationen nachgebaut. Verlängerungskabel und Phasenwender wurden montiert, Leitungen verlegt, Lichtschalter, Steckdosen und Leuchten installiert, geprüft und in Betrieb genommen. Die Grundlagen der Elektrotechnik wurden greifbar und die Sicherheitsregeln intensiv behandelt.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Gefährdungsbeurteilung: Gefahren erkennen, bewerten und vermeiden. Die fünf Sicherheitsregeln der Elektrotechnik und die klare Abgrenzung dessen, was erlaubt ist und was nicht, standen hier im Mittelpunkt. Der Wechsel zwischen theoretischem Unterricht am Vormittag und praktischen Übungen am Nachmittag erwies sich als optimal. Die Qualifikation zur EFKffT ist kein Zertifikat, das durch reines Zuhören erworben wird. Sowohl theoretische als auch praktische Arbeitsproben waren fester Bestandteil des Lehrgangs.
In den letzten beiden Tagen stand das Thema im Fokus, das für viele Teilnehmer ausschlaggebend für die Kursteilnahme war: die Prüfung ortsveränderlicher elektrischer Geräte.
Da es zunehmend schwieriger wird, Elektriker für diese Prüfungen zu finden, stellt die Möglichkeit, diese im eigenen Betrieb selbst durchführen zu können, einen erheblichen Mehrwert dar.
Als EFKffT ist es auch offiziell zulässig, Anschlussleitungen an Maschinen zu erneuern, die Geräte anschließend zu prüfen und wieder freizugeben – ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Mitarbeiter vor Gefährdungen.
Auch hier zeigte sich schnell: Die Prüfung ist deutlich komplexer als das bloße Ablesen eines „i. O.“- oder „n. i. O.“-Ergebnisses am Messgerät. Die erforderlichen Schritte, Messungen und Bewertungen wurden ausführlich in Theorie und Praxis behandelt. Am letzten Tag erfolgte eine abschließende praktische Prüfung.
Fazit: Der Lehrgang ist uneingeschränkt für alle Betriebe zu empfehlen, die regelmäßig mit elektrischen Komponenten arbeiten – sei es beim Anschluss von Motoren an Lichtkuppeln, bei elektrischen Dachflächenfenstern oder im Bereich der Photovoltaik. Sowohl Mitarbeiter als auch Betriebsinhaber nehmen aus diesem Kurs ein breites und praxisnahes Wissen mit, das den Arbeitsalltag spürbar erleichtert.
Weiterbildung ist ein entscheidender Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit des Dachdeckerhandwerks. Ein besonderer Dank gilt dem Team des Kompetenzzentrums Dachtechnik Waldkirchen e. V., insbesondere Ausbildungsleiter Jürgen Lehner und dem Technischen Berater Jörg Rößler.
Tolle Unterstützung
Das KPZ ist darauf angewiesen und dankbar für die Unterstützung durch die Industrie – gerade auch bei neuen Ansätzen in der Fortbildung.
Besonderer Dank gilt hier Velux für die Überlassung eines elektrischen Dachfensters und Sita für mehrere elektrisch beheizbare Dachgully-Systeme für den „E-Kurs“ und zu weiteren Schulungszwecken.
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