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Wirtschaft

Ein Haus ist (leider) keine Getränkedose

von Harald Friedrich

8.10.2026

Von Getränkedose bis TV-Fernbedienung, von Auto bis Akku: In Deutschland ist alles zum Recycling geregelt. Oder besser: fast alles. Denn das größte Potenzial bietet der Bereich Bau. Dieses Potenzial will der Freistaat Bayern nun gezielt erschließen.

Jedes Kleinkind, das mit Lego oder Bauklötzchen seine Häuser baut, macht es: Nach dem „Abriss“ wird mit den verwendeten Elementen neu gebaut. Doch die Baubranche ist – dank der Politik – von diesem „instinktiven“ Recycling noch weit entfernt.

Der „Rohstoff-Hunger“ für den Bereich Bau ist nahezu unersättlich: 134 Mio. Tonnen Rohstoffe verschlingt die Baubranche allein in Bayern für die Realisierung ihrer Projekte jedes Jahr. Davon sind allein 50 Mio. Tonnen mineralische Baustoffe. Die Tendenz mit der Schaffung neuer Wohn- und Gewerbeimmobilien und der Umsetzung von Projekten des Infrastruktur-Sondervermögens ist steil ansteigend.

Dabei ist sich die deutsche Kreislaufwirtschaft eigentlich einig. Im nunmehr vierten Statusbericht seit 2018 wird eine umfassende und datenbasierte Bestandsaufnahme der Branche vorgelegt - getragen von 15 Verbänden der Kreislaufwirtschaft und der IFAT / Messe München. Darin wird ausdrücklich gewarnt, wie abhängig Deutschland von den internationalen Rohstoffmärkten ist. Und das nicht erst in einer Zeit der globalen Krisen und regionalen Kriege. So wird klar erkannt, dass die Kreislaufwirtschaft systemrelevant ist, jedoch politisch nicht so behandelt wird. 13.500 Behandlungs- und Entsorgungsanlagen bundesweit sind vorhanden, aber wirtschaftlicher Unsicherheit ausgesetzt wie z. B. durch stark schwankende Preise auf dem Markt. Hohe Innovationskraft und Innovationsbereitschaft werden ausgebremst durch regulatorische Rahmenbedingungen.

Diesen „Kreislaufzusammenbruch“ will Bayern nun beenden mit einer bayerischen Kreislaufwirtschaftsstrategie, zu deren öffentlichen Anhörung bis zum 2. Oktober 2026 aufgerufen wurde.

Die zehn wichtigsten Ziele dieses Positionspapiers im Bereich Bau:

  1. Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen mit einer praxistauglichen Regelung für das Bauwesen ohne zusätzliche Bürokratie und ohne Quotenregelungen.
  2. Fortentwicklung von Recycling-Baustoffen als geregelte Bauprodukte, um deren verstärkten Einsatz zu fördern. Zudem wird eine Gleichbehandlung von recycelten und Primärbaustoffen bei Ausschreibungen und ein Zertifizierungssystem gefordert. So gibt es beispielsweise bis heute keine Anerkennung von Gesteinskörnungen aus aufbereitetem Bodenaushub.
  3. Berücksichtigung kreislaufwirtschaftlicher Aspekte bereits in der Planung zur Schonung von Ressourcen und Reduzierung der Materialvielfalt.
  4. Berücksichtigung der Recyclingfähigkeit von Bauwerken und Bauteilen bereits in der Planung. Dazu zählt auch ein gezielter Einsatz von Digitalisierung und KI schon in der Bauplanung.
  5. Systematische Ermittlung und Erfassung der im Gebäudebestand verfügbaren Materialien.
  6. Verbesserung der Wissensgrundlagen für Urban Mining und ressourcenschonende Rückbau- und Planungsprozesse.
  7. Identifizierung von Pilotprojekten und Praxisbeispielen sowie deren Veröffentlichung für den Praxistransfer. Dabei geht es auch um die Vernetzung von Akteuren, die in die Kreislaufwirtschaft eingebunden und daran beteiligt sind.
  8. Wissen und Kompetenzen zur Kreislaufwirtschaft vermitteln – in Schule, Ausbildung, Studium und Praxis. Ebenso ist Bauherren durch eine Unterstützung durch Handreichungen und Leitfäden und deren Sensibilisierung für Unterhalt und Pflege zur Verlängerung der Lebensdauer von Bauwerken zu gewähren.
  9. Aufbau von Strukturen, um die Wiederverwendung von Baustoffen und deren Wirtschaftlichkeit attraktiver zu machen. Dazu gehört auch die Schaffung einer Rohstoffplattform für Anbieter und Nutzer, um die regionale Verfügbarkeit zu stärken.
  10. Um den Import von Recyclat-Produkten aus Nicht-EU-Ländern zu begrenzen, sollen die Kontrollen auf deren tatsächliche Recycling-Eigenschaften verstärkt werden.

Gleichzeitig sind alle Hersteller zu mehr Verantwortung bereits beim Produktdesign gefordert. Hier kann weniger (Materialvielfalt) mehr sein. Ebenso müssen Bemühungen gestärkt werden, Ressourcen im Kreislauf zu halten.

Besonders wichtig ist auch die Entwicklung einer neuen Abfall-Ende-Regelung. Bislang gilt Abbruchmaterial rechtlich sofort als Abfall. Ohne erheblichen Prüf- und Dokumentationsaufwand kann dieses Material derzeit kaum wieder dem Rohstoff-Kreislauf zur Verfügung gestellt werden.

Bürokratieabbau wird auch von der EU gefordert. Dies muss im Zuge der Umsetzung des geplanten EU-Umwelt-Omnibusses zum Abbau und zur Vereinheitlichung von Berichtspflichten erfolgen, um Planer, Bauherren, ausführende Betriebe und die Recyclingwirtschaft zu entlasten.

Deutschland ist ein rohstoffarmes Land. Umso wichtiger ist es, vorhandene Materialien optimal zu nutzen. Und dazu gehört auch die Mehrfach-Nutzung von Baustoffen.

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