Von Kreislaufwirtschaft bis Kreuzfahrt
von Harald Friedrich
6.8.2026
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Auf große Fahrt gingen die rund 210 Teilnehmer des 118. Landesverbandstags im mittelfränkischen Seenland am Wochenende von 3. bis 5. Juli 2026.
Auch wenn die Dachdecker-Innung für Mittelfranken bereits 2005 einen Landesverbandstag am Brombachsee ausgerichtet hatte: Der 118. Landesverbandstag war kein Remake, sondern eine Steigerung.
Wenn immer die Rede von der Dachdecker-Familie ist: Hier direkt am Ufer des Kleinen Brombachsees wurde ein echtes Familien-Domizil angeboten. Entspannung war hier mindestens so konsequent im Angebot wie Information, Fernblick über den See und der Weitblick in die Zukunft.
Das Wiedersehen mit Kolleginnen und Kollegen, Geschäftspartnern aus Industrie und Handel konnte auf der See- und Sonnenterrasse des Hotels Seehof bis weit nach Sonnenuntergang gefeiert werden. An einem riesigen Grillbuffet und dem unendlichen Getränkenachschub auf eisgefüllten Schubkarren blieben keine Wünsche offen, und kulinarische Langeweile hatte keine Chance.
Die Öffentliche Kundgebung am Samstag eröffnete Landesinnungsmeister Mario Kunzendorf mit einer Gedenkminute für die Verstobenen – den ehemaligen Obermeister der Innung Niederbayern, Michael Oestreicher, und für den Ehrenlandesinnungsmeister A. Ewald Kreuzer, der vor genau 21 Jahren hier am Brombachsee erstmals zum Landesinnungsmeister gewählt worden war.
Nach der Begrüßung der Gäste, darunter die Landesinnungsmeister Karsten Kirchhoff aus Brandenburg, Florian Häßner aus Hessen und Denny Arndt aus Sachsen sowie der ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk und ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx, folgte das Grußwort des Landrats des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen, Markus Gläser.
Der Landrat wies auf die Bedeutung des Dachdeckerhandwerks für seinen Landkreis hin: Baudenkmale, die es zu erhalten und sanieren gilt, die Optimierung von Dächern für den Klimawandel und die Einzigartigkeit der Legschieferdächer in dieser Region.
Gleichzeitig aber gab er unumwunden zu, dass es noch viel Nachholbedarf gäbe. Dabei erwähnte er besonders das relativ „löcherige“ Mobilfunknetz, das es den Dachdeckerbetrieben nicht gerade leichter mache, Drohneninspektionen durchzuführen oder mit Mitarbeitern auf der Baustelle zu kommunizieren.
Größten Respekt zollte er all den Dachdeckerinnen und Dachdeckern, die in der Sommerhitze ihre Arbeit zuverlässig verrichten.
ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk freute sich über den jüngsten Erfolg jahrelanger Lobbyarbeit: Das OLG Koblenz hatte kürzlich entschieden, dass für die Montage von PV-Anlagen eine Eintragung in einem zulassungspflichtigen Handwerk wie Dachdecker oder Elektrohandwerk zwingend Voraussetzung sei.
Die jüngsten Entscheidungen der Regierungskoalition bezeichnete Bollwerk als nicht perfekt, aber in die richtige Richtung gehend.
Deutliche Kritik äußerte Bollwerk an der Gewerkschaft, mit der jahrelang eine gemeinsame digitale Ausbildungsplattform geplant wurde. Das Gemeinschaftsprojekt ist gescheitert. Das Dachdeckerhandwerk habe in der Vergangenheit im Hinblick auf diese wichtige Plattform eine hohe Kompromissbereitschaft bei den Tarifverhandlungen gezeigt. „Wir lassen uns nicht mehr an der Nase herumführen“, machte Bollwerk deutlich. „Jetzt machen wir das allein“.
Ein Mann aus der Handwerks-Praxis ist der Vizepräsident der HWK für Mittelfranken, Christian Sendelbeck. Als Fachmann aus dem SHK-Gewerk forderte er mehr Mitspracherecht von Fachleuten aus der Basis und der Praxis in der Politik. „Wir müssen kämpfen für das Handwerk – auf Landes- und Bundesebene“. Sendelbeck berichtete von eigenen Erfahrungen beim Hausbau. So könne er mit seiner PV-Anlage aufgrund der schlechten Netzinfrastruktur leider keinen Strom einspeisen und selbst das Laden von E-Autos sei immer noch keine Selbstverständlichkeit in der Region. „Wir müssen unseren Kunden erklären, dass die teuer gekaufte Wärmepumpe nicht anschließbar sei und der Rückschritt zum Ölkessel aufgrund mangelnder Verfügbarkeit und drastisch gestiegener Preise auch nicht machbar oder sinnvoll sei.“
Zur Nachwuchssituation machte Sendelbeck klar: „Das Wischen auf dem Handy ist keine Wirtschaftsleistung“. Gebraucht würden Menschen, die anpacken. Die Politik müsse endlich einsehen, dass die Begeisterung für eine Ausbildung im Handwerk nicht erreicht wird, wenn Milliarden in Universitäten investiert würden, während kein Geld für die Sanierung von Berufsschultoiletten da sei.
Die gelungene Überleitung zum danach folgenden Impulsvortrag zum Thema Kreislaufwirtschaft brachte Landesinnungsmeister Mario Kunzendorf auf den Punkt mit einem Blick über den großen Teich: 10.000 der 15.000 Satelliten im Orbit gehören dem Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk. Jeden Tag fallen derzeit im Schnitt zwei dieser Satelliten zurück zur Erde. Wenn das Starlink-System von Musk auf 40.000 Satelliten fertig ausgebaut ist, werden es rund 20 Abstürze täglich sein. Dann werden geplant Waren im Wert von 18 Millionen Dollar täglich in der Atmosphäre verglühen und jährlich 2.000 Tonnen Staubpartikel aus Kupfer oder Arsen in der Luft hinterlassen. Dafür würden wiederum neue Satelliten mit neuer Software ins All geschossen. Das sei die Musk-Version der Kreislaufwirtschaft.
Kurz ging Kunzendorf auch noch auf die aktuellen Pläne der Regierungskoalition ein. Schon lange fordert die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft vbw, der auch das Dachdeckerhandwerk Bayerns angehört, die Einführung eines Karenztages bei Krankmeldungen sowie die Abschaffung eines einzigen Feiertags, um die Produktivität im Land zu erhöhen und die Arbeitskosten der Betriebe zu senken. Bislang vergeblich.
Er sei jedoch froh, dass die Regierung überhaupt mal angefangen hat, irgendetwas zu ändern. „Doch wenn wir keine Bürokraten abbauen, wird es auch keinen Bürokratieabbau geben“, so Mario Kunzendorf zum Schluss.
Nun war Dipl.-Ing. Katrin Mees, Abteilungsleiterin Nachhaltiges Bauen, Kreislaufwirtschaft und Umwelt beim Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) am Zug. „Kreislaufwirtschaft ist eigentlich nichts Neues – wir betreiben sie seit Jahrtausenden“, begann Mees ihren Impulsvortrag. Schließlich seien wir schon von jeher bemüht, alte Materialien für die Schaffung neuer Produkte einzusetzen. Zu Beginn ihres Vortrags zeigte Mees die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft auf. Grundlage war die Agenda 2030, die auf dem 2015 geschlossenen Weltzukunftsvertrag basiert. Umgesetzt wurde dieser Vertrag 2019 mit dem Green Deal, nach dem zukünftige Generationen nicht mehr zusätzlich mit Altlasten belastet werden sollen.
In Deutschland trat das Kreislaufwirtschaftsgesetz zur Umsetzung der EU-Vorgaben in Kraft. Doch immer wieder wurde die konsequente Umsetzung ausgebremst – durch Corona, den Ukrainekrieg oder jüngst die Kriegshandlungen in Nahost und die dadurch entstandenen Lieferkettenprobleme. Eine weitere Hürde stelle das Fehlen jeglicher Fachleute zu diesem Bereich dar im dafür maßgeblich zuständigen Bundesumweltministerium.
Das erklärte Ziel der Kreislaufwirtschaft sei es, im Sinne des Umweltschutzes Ressourcen im eigenen Land zu halten und zu verarbeiten. Das Problem sei jedoch, dass es in Deutschland an Ressourcen fehle.
Mees‘ Grundsatz: Wir müssen von einem Entledigungswillen zu einem Kreislaufwillen kommen. Erst wenn geprüft ist, dass ein Rohstoff nicht wieder und nicht weiter verwendet werden kann, ist der Rohstoff Abfall.
Nun ging Katrin Mees auf die Lage im Bau ein. Als Rohstoffressourcen steht pro Jahr das Material aus dem Abbruch von 6.000 Wohngebäuden zur Verfügung. Das entspricht etwa 5-6 Mio. Quadratmetern Wohnfläche. Neu gebaut würden aber derzeit 120.000 neue Wohngebäude mit einer Fläche von 70 Mio. Quadratmetern. Die Politik fordere jedoch, dass ein Neubau zu 30 % aus recyceltem Material bestehen müsse. Fazit: Die Kreislaufwirtschaft kann nur ein Teil der Lösung sein. Wir in Deutschland bleiben daher auf Rohstoffe aus anderen Ländern angewiesen.
Darüber hinaus ist der Gebäudebestand in Deutschland nicht auf eine Kreislaufwirtschaft hin konzipiert. Die gute Nachricht für das Dachdeckerhandwerk: Hier wird mit einer großen Materialvielfalt und gut sortierten Baustoffen gearbeitet. Ebenso ist die Sortierung von Abfallfraktionen gerade für das Dachdeckerhandwerk schon lange tägliche Praxis. Und viele neue Baustoffe entstehen bereits unter Einsatz von Recyclingmaterial. Als Beispiel nannte Katrin Mees Metall, Dämmstoffe und Holz.
Eine große Herausforderung stelle allerdings Asbest dar. In fast jedem Dach, das vor 1993 gebaut wurde, sei Asbest in Eindeckungen, Spachtelmasse oder Kleber nachweisbar. Und für Asbest sei nur eine Deponierung, nicht aber eine Weiterverwendung, erlaubt. Mees verwies dabei auf den BVB Leitfaden Asbest, der wertvolle Hinweise und Checklisten für die tägliche Praxis enthält.
Zum Schluss betonte Katrin Mees, dass die Kreislaufwirtschaft für das Dachdeckerhandwerk große Chancen eröffnet, um sich als Fachgewerk für Klimaresilienz zu profilieren.


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